Furth im Wald 2011

Ende Mai ist bei meinem Kumpel Robert und mir traditionell die Zeit in der wir unseren alljährlichen Ausflug an die Chamb in der Oberpfalz wagen. „Wagen“ daher weil dort um dieses Jahreszeit bedingt durch die geographische Lage öfters zu starken Regenfällen und damit zu Hochwasser kommt. Durch den Bau des Drachensees ist die Gefahr für die umliegenden Anwohner der Stadt allerdings halbwegs gebannt worden. Dieses Jahr ging es wieder mit dem Zug nach Furth im Wald, zumindest für mich. Nach anfänglichen Problemen mit der Deutschen Bahn (Zugschaden, Verspätung und zu guter Letzt noch Sitzplatzprobleme mit einem unfreundlichen älteren Herren der der Meinung war, seine Zugehörigkeit zur deutschen Wehrmacht wäre ein Sitzplatzgarant…). Ebenfalls interessant sind die sich ¼ stündlich wiederholenden Toilettenwanderungen der Damen. Ich war schon am überlegen ob ich nicht meine Urlaubkasse aufbessern sollte indem ich mich als Toiletten“frau“ einfach mit nem leeren Becher Kaffee vor die Klotüre stelle.  Während der 3 stündigen Fährt hätte ich ein kleines Vermögen machen können…. Aber als „guter“ Mensch versuche ich natürlich nicht aus der Not der anderen Kapital zu schlagen…aber faszinierend ist das schon wie stark frequentiert die Bahnklos sind…alleine durch die geistige Essenz der letzten Sätze kann man folgern wie langweilig eine Zugfahrt sein kann. Nachdem das Wehrmachtsväterchen das Abteil verlassen hatte (allerdings nicht ohne nochmal zu betonen das er im Krieg ein ganz ein toller Kerl war…) wurde es interessanter. Da waren zwei Französinnen die sich auf Französisch über die Männlichkeit eines offensichtlich gemeinsamen Ex-Freundes der beide genarrt hatte unterhielten, ein frühreifes Girlie das sich in einer Tour im Schritt kratzte (was mich zugegebener Maßen doch etwas irritierte…) und ein angelgeiler Halbstarker (ich) der es kaum erwarten konnte am Wasser zu stehen. Zu erwähnen wäre dann noch der kleine superadipöse Bub der sich ab Regensburg meiner Person aufdrängte („was is in dem schwarzen Rohr, da steht Bazuka drauf“-„Das was drauf steht“ – „Voll cool“).Summa Samarium kann man doch sagen, Zugfahren bildet und verbindet.

 Nach guten drei Stunden konnte ich dann auch dieses Kapitel abschließen. Am Bahnhof angekommen wurde ich auch schon von meinem Angelkollegen Robert abgeholt. Dann gings direkt zur Pension Postgartner, wie jedes Jahr. Nach dem Einchecken wurden erstmal die Wochenkarten für die Chamb gelöst. Anschließend wurden noch die nötigsten Lebensmittel eingekauft (wer braucht bitte drei Netto Märkte im Umkreis von weniger als einem Kilometer??) und dann gings auch schon ans Wasser. Ein Blick von der Brücke auf den Pegelstand und die Farbe des Wassers gab Grund zur Hoffnung. So niedrig hatte ich das Wasser noch nie gesehen, außerdem konnte man den Grund ohne Probleme erkennen. Da ich dieses mal ein paar Unterwasseraufnahmen machen wollte, kam mir das relativ saubere Wasser entgegen. Allerdings konnten wir die Planung erst am Folgetag (Sonntag) umsetzen da wir uns entschlossen hatten die Wochenkarte von Sonntag bis Samstag zu nehmen. Nachdem die essentiellen Dinge abgeschlossen waren entschlossen wir uns wie jedes Jahr den Wildgarten Furth im Wald aufzusuchen und meinen guten alten Bekannten Uli uns seine Frau zu besuchen. Nach besagtem Besuch wurde nochmal Magenpflege betrieben in unserem Stammlokal, dem Picasso.  Die Nacht verlief etwas unruhig da wir er kaum erwarten konnten ans Wasser zu kommen.

Zuerst wollten wir uns die Stadtstrecke mit der Fliege vornehmen.

 Zwei Würfe mit einer Redtag brauchten die größte Forelle der Tour. 52cm geballte Power, gebissen inmitten eines Strömungsbeckens nach einer Rausche. An der 12 Spitze ein durchaus riskantes Unterfangen. Da die Durchschnittsgröße der Chambforellen bei etwas über 35cm liegt hatte keiner von uns mit so einem Fisch gerechnet. Das Bier an diesem Abend ging natürlich auf meine Kosten. Im Lauf des Tages fingen wir noch etliche Döbel zwischen 28 und 45cm. Auch die eine oder andere Forelle war mit dabei. Immer wieder aufs Neue faszinierend ist die besonders schöne Färbung des in der Chamb vorkommenden Bachforellenstamms. Die satten Rottupfen sind einfach ein Augenschmaus. Nach einem 14h Angeltag fielen wir abends totmüde und ordentlich verbrannt in unsere Betten.

 Montagmorgen entschlossen wir uns die oberste Strecke zu befischen. Auch hier blieben wir nicht lange Schneider. Diese Strecke ist mit der Fliege nur sehr schwer zu befischen. Man hat kaum die Möglichkeit die Schnur ordentlich auszuspielen und ist fast nur auf Roll- und ähnliche Trickwürfe angewiesen. Dennoch kann man auch hier gute Fische fangen. Einige dicke Döbel fanden auch hier unsere Fliegen unwiderstehlich. Am oberen Ende der Strecke auf Höhe des Woodstegs ging uns dann auch noch ein schöner Hecht an den Haken. Mit knapp 60cm aber ein eher kleines Exemplar. Auch an diesem Tag war uns die Sonne den ganzen Tag über treu was wir nach der Einkehr abends im Hotel an unserer Körperfarbe feststellen mussten. Nach dem Abendessen trieb es uns aber nochmal ans Wasser, den Abendsprung nutzen. Wir wählten die Stadtstrecke. Irgendwie hatte sich die Strecke von Sonntag auf Montag verändert. Nach dem Einstieg an der Brücke musste wir feststellen, dass uns zum einen ein nicht gerade angenehmer Fäkalgeruch entgegen kam und zum anderen schwammen massig Damenbinden, Klopapier, Kondome und andere Hygieneprodukte um die Beine. Absolut ekelhaft. Als wir stromauf wateten mussten wir feststellen, dass auf Höhe der Baustelle ein Abwasserrohr in die Chamb fließt. Das Rohr war die Jahre davor auch schon da allerdings konnten wir bis heute keinerlei sichtbare Verschmutzungen des Gewässers durch dieses Rohr feststellen. Irgendwie sah es ein bisschen aus wie Weihnachten unter Wasser. An alle Ästen und Zweigen im Wasser (und das sind nicht gerade wenige) hin Klopapier. Außerdem ging unsere Fangquote an Damenbinden und OB´s sprunghaft nach oben. Einfach zum Kotzen. Wie wir zu der Vermutung kamen, dass es dieses Rohr war, aus welchem der Dreck ausgetreten sein musste ist einfach. Auf der Strecke vor dem Rohr fanden wir keinerlei Verschmutzungen. Die Lust aufs Angeln war für diesen Abend erstmal vorbei. Leider haben wir nur eine kurze Videoaufnahme der Sauerrei, und kein fotographisches Bildmaterial. Andernfalls hätten wir Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Bei Umweltverschmutzung hört der Spaß aus… Also ab in Hotel und an der Matratze horchen.

 Direkt nach dem Frühstück gings an eine von uns bisher noch nie befischte Strecke auf Höhe von Arnschwang. Optisch gesehen ist diese Strecke genial. Viele Büsche, wenig Spuren vorangegangener Angelversuche durch andere Petrijünger und satte Vegetation auf beiden Seiten. Hier mussten doch gute Fänge möglich sein, so dachten wir. Allerdings brachen wir die Fischerei nach vier Stunden ab. Ganz erfolglos waren wir nicht, Robert fing einen guten 70ger Hecht zwischen einem Schwemmholzgürtel und ich konnte wenig später einen guten Döbel fangen. Allerdings hatten wir uns angesichts der optischen Schönheit der Strecke deutlich mehr erhofft. Erschwerend kam hinzu, dass ich mir es nicht nehmen lassen konnte ein kleines Bad zu nehmen…ziemlich uncoole Aktion. Robert und ich wateten an einer scheinbar seichten Strecke direkt nebeneinander (ca. 1m Abstand). Anscheinend gab es einen kleinen aber tiefen Bombenkrater auf meinem Watweg und so kam es, dass Robert für kurze Zeit nur noch meine Mütze auf der Oberfläche treiben sah während ich mich spontanerweise (unfreiwillig) dazu entschlossen hatte auf Tauchstation zu gehen…Der Lacher war natürlich auf meiner Seite. Beim allabendlichen Gespräch mit lokalen Freunden wurde dieses Thema ordentlich breit getreten und sorgte für den einen oder anderen Lacher. Naja was solls, atmungsaktive Klamotten trocknen ja glücklicherweise recht schnell und bei diesen Hochsommerlichen Temperaturen ist so ein Zwangsbad nicht unbedingt unangenehm, wäre da nicht das Wissen über die Fäkalgeschichte wenige Kilometer aufwärts…URKS.

 Tags drauf ereilte mich das gleiche Schicksal erneut, ich befischte gerade ein Schwelle in der letzten Strecke als Robert eine guten Biss bekam. Da ich für eine gute Filmaufnahme noch in Reichweite war aber den Fisch auch fotographieren wollte, entschied ich mich schnellst möglichst zu Robert ans Ufer zu gelangen…mit dem Ergebnis, dass ich erneut im kühlen Nass landete. Die Schwellensteine waren über und über mit Algen bewachsen die meinen guten Absichten einen deutlichen Strich durch die Rechnung machten. Glücklicherweise waren meine elektronischen Geräte wasserdicht verpackt. Der finanzielle Schaden hielt sich also in Grenzen…vom gebrochenen Stolz wollen wir mal nicht reden… Wenig später, ich befischte gerade erneut eine Schwelle, als ich wieder leicht ausrutschte. Diesmal konnte ich mich jedoch rechtzeitig fangen. Durch die ruckartige Bewegung mit der  ich mein Gleichgewicht wieder herstellen konnte, verlor ich jedoch meine Köderbox. Diese trieb mit lasziver Gemütlichkeit stromab…ich also wie ein Berserker an Land gewatet (schön vorsichtig, nochmal wollte ich nicht baden gehen…) und dann mit einem Affenzahn (soweit dies die Watstiefel zuließen) am Ufer hinter der Box hergewetzt…Ein Bild für Götter…Glücklicherweise habe ich die Box wieder bekommen…allerdings musste ich bei dieser Aktion dennoch finanziell bluten. Bei der oben geschilderten Ausgleichsbewegung verlor ich mein Filetiermesser. Trotz intensiver Suche konnten wir das Messer nicht mehr finden. Die Laune meinerseits war dadurch natürlich erstmal ordentlich getrübt. Dabei hatte der Tag recht gut angefangen, Robert konnte an seiner Lieblingsstelle einen maßigen Zander erwischen und auch ich blieb nicht lange Schneider. Ein fetter Aland sowie einige schöne Döbel konnte ich verbuchen. Auch Robert konnte noch ein paar kapitale Döbel fangen. Abends gings dann wieder zum Futtern ins Picasso und man ließ den Abend gemeinsam mit einer Flasche Wein und einer dicken Zigarre ausklingen.

 Tags drauf durften wir das erste Mal eine kleine Privatstrecke befischen. Innerhalb kurzer Zeit konnten wir einige schöne Hechte zu einem kurzen Landgang überreden. Da die Strecke allerdings recht kurz ist, entschlossen wir uns nach einem kurzen Abstecher an die Grenzen um die Mägen zu füllen, zu einem weiteren Besuch unserer Zanderstelle, schließlich hatte ich bisher kein Glück auf Zander gehabt. Nach einer halben Stunde fischen an besagter Stelle konnte auch ich einen schönen Zander auf meiner haben Liste verbuchen. Da an diesem Abend im Wildgarten ein kleines aber feines privates Grillfest stattfinden sollte, entschloss ich mich (unterheftigen Protesten von Robert) den Fisch mitzunehmen. Nach dem Abschlagen des Fisches hing der Haussegen eine Zeit lang schief und wir diskutierten über den Sinn und Unsinn von C&R und den Wiederspruch zum Fischerei und Naturschutzgesetz. Wie die Politik auch kamen wir zu keinem eindeutigen bzw. befriedigenden Ergebnis. Der Fisch wurde auf jeden Fall komplett verwertet, selbst Kopf und Schwanz wurden dem Verzehr durch zwei Stubentiger zugeführt. Der Rest des Zanders erfreute sich bei erwähntem Grillfest größter Beliebtheit. Die Grillfeier war ein voller Erfolg, es entstanden einige sehr lustige Bilder und mein Kollege konnte sich mit einigen Dorfschönheiten schmücken. Robert ließ sich zu einem vll. verhängnisvollen Versprechen hinreißen auf welches ich hier aber nicht näher eingehen möchte. Auch ich hatte die Möglichkeit einige alte Bekanntschaften wieder aufzufrischen. Das Aufräumen der Grillstelle am nächsten Tag im leicht verkaterten Zustand hingegen war kein so tolles Unterfangen aber wer saufen und Dreck machen kann, kann auch sauber machen…An dieser Stelle sollte vll. noch erwähnt werden, dass wir uns noch kurzzeitig am Vorabend für ca. eine Stunde von der Grillfeier entfernt hatten, um nochmals die Hechte zu ärgern –  mit Erfolg. Innerhalb einer Stunde fingen wir zwei nochmals drei Hechte.

 Der kommende Morgen wurde von leichten Nebenwirkungen der letzten Nacht begleitet…ein dumpfer Schädel und das Gefühl etwas zu wenig geschlafen zu haben machten sich bei uns beiden breit. Wie bereits oben erwähnt begann der Tag mit einer Aufräumaktion. Danach durften wir wieder einen kleinen Privatbach befischen. Die Forellen des Baches (ein sehr schöner Bachforellenstamm, allerdings Steinforellen) waren allesamt sehr klein aber wunderschön. Nach ca. 3h hatten wir die Strecke abgefischt und ich versuchte noch ein paar Unterwasseraufnahmen von den dort vorkommenden Krebsen zu machen (Video folgt…). Danach gings wieder an die Chamb. Auch hier fingen wir wieder ein paar Fische. Allerdings machte der einsetzende Regen eine längerfristige Fischerei zunichte. Um die Woche gebührend ausklingen zu lassen entschlossen wir uns diesen Abend im Picasso mit Uli, seiner Frau, meiner Freundin und einer adretten jungen Dame deren Namen ich hier aus Rücksicht auf eventuelle eifersüchtige Lebensabschnittsgefährten und Gefährtinnen nicht nennen möchte.

Der Samstag war in erster Linie von Aufbruchsstimmung geprägt. Wie versuchten nochmal einen Zander zu fangen, was aber fehl schlug. Wenig später konnte ich noch einen Hecht landen und Robert einen schönen Flussbarsch sowie einen kleinen Döbel. Robert entschloss sich bereits Samstagabend abzureisen, ich hingegen wollte noch etwas die traute Zweisamkeit mit meiner Freundin sowie die Ruhe und Natürlichkeit von Furth im Wald genießen. Mein Zug fuhr fast pünktlich um 12:17 in Furth im Wald ab. Als ich diesen Bericht hier getippt habe, teilte ich mir das Abteil mit einem süßen japanischen Pärchen, ein absolut scharfen wasserstoffblonden Mutti, einen leicht verstört wirkendende Glatzkopf welcher ständig seinen Kopf wie in Trance hin und her bewegen musste und das Buch „So lerne ich mich selbst lieben“ las sowie einem wanderlustigen Herren mittleren Alters mit einem Faible für Kreuzworträtsel und einer sehr neugierigen Veranlassung welche ihn dauernd Zwang in den Bildschirm meines Netbooks zu gaffen. Besten Dank dafür.

Einige Interessante Nebenaspekte dieses Urlaubs waren der Kulturaustausch zwischen Ost und West. Ich konnte Wörter wie Boum, Nischel und Knast in mein Sprachrepertoire aufnehmen, im Gegenzug konnte ich Robert die Wörter Saubua und Odel sowie ein bisschen Englisch beibringen. Sätze wie „Mein Name ist Vorhaut, ich werde mich jetzt zurückziehen“ sorgten für allgemeines schmunzeln der seichten Gemüter. Drosseln sind aggressive kleine Biester welche nicht davor zurückschrecken harmlose Angler anzugreifen (nur dumm, dass eine bei mir im Kescher hängen blieb…nach einem kurzen Foto wurde auch dieses Tier wieder entlassen). Wasser in den Watstiefeln ist absolut unpraktisch, Blasenbildung ist damit fast vorprogrammiert.

PS: Die Bestimmungen an der Chamb haben sich dieses Jahr wieder geändert. Die Schonzeiten von Hecht und Zander haben sich auf Anfang Mai verkürzt.

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ArturO

Der Rhein als Hausgewässer ermöglicht es mir auf diverse Fried- und Raubfische zu angeln. Wenn ich nicht angle bin ich höchstwahrscheinlich im Kino oder genieße eine gute Folge meiner Lieblingsserien.

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