Köder bei Licht unter Wasser

Wer die „Fortschritte“ der Angelindustrie in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, wurde mehr oder weniger zwangsläufig mit dem Thema UV Licht konfrontiert. Für den Laien ist das wenig interessant und selbst der ambitionierte Angler besitzt meist nur ein gefährliches Halbwissen darüber. Ein Grund das Thema mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Glaubt man der Angelindustrie kann man pauschal folgende Gleichung aufstellen:

UV aktive Köder = fängiger da besser sichtbar

An und für sich grundsätzlich richtig wenn es da nicht ein paar andere einflussreiche Faktoren gäbe. Zuallererst was ist Licht? Um es trivial auszudrücken ist Licht nichts anderes als elektromagnetische Strahlung. Wird in einem Atom ein Elektron (Ladungsträger welcher um den Atomkern kreist) energetisch angeregt gelangt dieses Elektron in eine (Wer in Chemie aufgepasst hat, kennt das Schalenmodell) energetisch günstigere Lage (Schale). Fällt das Elektron aber wieder in seinen Ausgangszustand zurück, wird die durch die Anregung zuvor aufgenommene Energie wieder freigesetzt. Dies kann sich auf mehrere Arten bemerkbar machen, in diesem Fall Licht (Wärme…). Grundsätzlich können Menschen und Tiere nicht das komplette Spektrum an Licht sehen. Grob gesagt gibt es drei Bereiche, den UV Bereich, den für uns Menschen sichtbaren Bereich und den Infrarot Bereich. Der UV Bereich ist der mit der kürzesten Wellenlänge und somit der energiereichste Bereich. UV Strahlen sind es auch, die für die Bräune (und den Hautkrebs) bei Menschen verantwortlich sind. Wie bereits angedeutet sind diese Strahlen die energiereichsten und damit auch in der Lage bis zu mehreren Hundert Metern ins Wasser einzudringen. Soweit nicht weiter aufregend aber das Interessante an der Sache ist, dass es Farben gibt, welche auf UV Licht reagieren. Solche UV aktiven Farben können unter Wasser in einer Tiefe in der man kaum noch Licht vermuten würde (bis über 1000m!!!) ein wahres Feuerwerk an Licht hervorzaubern.
Einige werden sich sicher jetzt denken: Ok, dann pinsel ich meine Köder mit UV aktiven Farben ein oder kaufe mir gleich solche Köder die unter UV Licht leuchten. Wer mit seinen Ködern in der Tiefsee oder in trüben Gewässern fischt kann dies ohne weiteres auch machen. Versuche zeigen allerdings, dass gerade in klaren Gewässern Köder fangen die NICHT UV aktiv sind. Warum? Ganz einfach: Zu viel des Guten wirkt einfach nur abschreckend auf die Fische. Eine Forelle die in einem klaren Gebirgsbach plötzlich einen Wobbler im Firetiger Dekor vor die Nase gesetzt bekommt kriegt entweder einen Panikanfall oder einen Lachflash…natürlich wird es auch immer wieder Fische geben, die auf solche Köder beißen. Meist aber aus einem Reflex heraus und nicht weil sie hungrig sind.
Pauschal kann man also folgendes sagen:

Klares Wasser – geringe bis mittlere Tiefe – heller Sonnenschein = keine UV aktiven Köder

Trübes Wasser – schlechte Lichtverhältnisse – mittlere bis große Tiefen = UV aktive Köder

Schaut man sich das Farbspektrum einmal genauer an erkennt man, dass das Infrarot Licht die längste Wellenlänge hat. Dies bedeutet, dass es am schwächsten ist. Darum verschwindet auch die rote Farbe bereits nach wenigen Metern komplett unter Wasser, sie wird quasi nicht sichtbar. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum in den letzten Jahren immer mehr Hersteller ihre Schnüre rot eingefärbt haben. Allerdings ist hierbei auch eine Menge Augenwischerei dabei. Untersuchungsergebnissen zu folge ist nicht UV aktives Rot bis zu 2m unter Wasser sichtbar (UV aktives Rot ist bis zu 100m sichtnbar). Die meisten Schwimmwobbler halten sich aber in diesem Bereich auf. Von daher gesehen ist die Rote Schnur für diesen Einsatz nicht wirklich die beste Wahl. Anders sieht es natürlich bei der Gummifischfraktion aus die ihre Köder in Tiefen bis zu 15m anbieten. Dort haben die Roten Schnüre durchaus ihre Berechtigung. Gelb ist übrigens bis zu etwa 5m sichtbar, Grün bis zu 8m und Blau bis etwa 10m. Wichtig: Hierbei handelt es sich um nicht UV aktive Farben.
Genug zur Theorie: Als ich vor einiger Zeit eine Taschenlampe mit UV Licht LED´s bekommen habe, war ich ziemlich überrascht, als ich Nachts in meine Köderbox leuchtete. Einige, vor allem die natürlich anmutenden Köder sahen unter dem Licht sehr fade aus (Ausnahmen sind z.B. bei Gummifischen die Farben Perlmutt und Motoroil). Am besten ihr schaut euch die Bilder darunter mal an. Einmal bei Normallicht und einmal unter UV Licht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass UV aktive Farben unter bestimmten Umständen durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, eine Wunderwaffe sind sie allerdings nicht.

Autor dieses Artikels
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Pete H.

Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990
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