Prorex Micro Shad 45DF

Prorex Micro Shad in Barschdesign


Gummifische gibt es ja heutzutage wie Sand am Meer. Betrachtet man die Evolutionsschritte dieser Ködergattung so kann man durchaus behaupten, dass es auf dem deutschen Markt in den 80ger Jahren losging. Vorreiter damals waren, wie der Firmengründer in seinen Videos gerne und ausgiebig immer und immer wieder betont, die Produkte der Firma Profi Blinker. Nach Einführung des Attractors kam erst mal lange Zeit nichts wirklich Außergewöhnliches auf den Markt. Dann, ein paar Jahrzehnte später kam die große Stunde der Firma Relax die mit ihren Kopytos auf den Markt drängten. Der Hype um Kopytos hält bis zur heutigen Zeit an. Viele Firmen sind auf diesen Zug aufgesprungen und haben Nachbauten oder die „originalen“ Kopytos unter ihrem Namen vermarktet. Kopieren und Nachbauen scheint in der Angelbranche alltäglich zu sein. Verständlich irgendwo denn hat sich ein Produkt bewährt und als fängig erwiesen, ist es doch deutlich einfacher eine gute Kopie auf den Markt zu bringen als etwas Neues zu erfinden und das dann umständlich zu bewerben. Man setzt sich quasi ins gemachte Nest.

Prorex Micro Shad in Weiß-Glitter

Es gibt auch nicht viele Marken, mal abgesehen von einigen Global Playern, die die finanzielle Potenz und das entsprechende Marketing haben, ein völlig unbekanntes Produkt groß raus zu bringen.

Seit einiger Zeit schon beobachten wir von Angeln-24 mit Spannung die Schritte der Marke Daiwa auf diesem Gebiet. Den meisten ist die Firma ein Begriff. Vormals vor allem für gutes Karpfen Tackle bekannt (Amorphous Whisker Ruten und Infinity Rollen), drängte Daiwa immer mehr auch in den Raubfisch Sektor und vergrößerte sich in den letzten Jahrzehnten sukzessive auf diesem Gebiet. Als dann vor einiger Zeit Gummifische mit dem sogenannten Duckfin Schwänzchen auf den Markt kamen, hatten wir Daiwa wieder etwas mehr auf unserem Radar. Auch der Schritt in Richtung Leichtbaurollen wurde von uns mit Wohlwollen registriert. Vormals wogen Daiwa Rollen in geeigneten Größen für die Raubfischangelei selten unter 300g, für Hecht sogar kaum unter 400g. Da war die Konkurrenz deutlich schneller, pardon leichter, unterwegs. Spätestens aber als vor einigen Jahren die ersten LT Rollen von Daiwa auf den Markt kamen, war es mit dem Vorsprung der Konkurrenz vorbei. Und nun? Nun versucht Daiwa mit den Duckfin Ködern den Gummifisch Markt umzukrempeln. Nüchtern betrachtet handelt es sich dabei um kleine, länglich gezogene Köder mit langem und dünnem Schwanzstiel welche in hochwertigen Verpackungsblistern verkauft werden. Diese Blisterverpackung verhindert ein verformen der Köder, trägt aber zugleich zu einer Erhöhung des Preises bei. Andere Hersteller sind hier einen doch etwas moralisch grenzwertigen Weg gegangen, indem sie den Ködern einfach mehr Weichmacher zugefügt haben. Das diese Weichmacher letztendlich gesundheitsschädlich und gar krebserregend sind, wurde billigend in Kauf genommen. Natürlich sind in den Daiwa Ködern gleichfalls Weichmacher enthalten, allerdings nicht ganz so viele wie in vielen Konkurrenzprodukten die sich aktuell auf dem deutschen Markt tummeln – der Blisterverpackung sei Dank ist dies auch nicht nötig.

Entweder man fischt die Micro Shads mit dem Jig oder aber man montiert sie am Flexi Jig System (Cheburashka).

Die Aktion eines Gummifischs wird in erster Linie durch das verwendete Gummimaterial sowie Stellung und Form des Schwanztellers beeinflusst. Um eine maximale Aktion des Köders zu erreichen, sollte der Schwanzteller möglichst groß sein und in einem 90° Winkel zum Körper abstehen. Bei den Duckfin Gummis komme ich bei meinen Messungen auf 90-100°.  Der Schwanzteller könnte größer sein, dies hätte aber vermutlich ein Ungleichgewicht des Köders zur Folge. Dementsprechend hat Daiwa einfach die Schwanzwurzel/Schwanzstiel des Köders verlängert. Dies hat folgende Auswirkungen auf den Köder: Zum einen versetzt er den Köder dadurch auch mit einem kleineren Schwanzteller ordentlich unter Druck und erzeugt jede Menge Bewegungen und zum anderen wurden damit die Gesamtproportionen des Gummifischs an das Erscheinungsbild eines echten Fischchens angepasst. Soweit zu den Vorteilen.

Wie heißt es doch so schön? Wo viel Licht, da ist auch Schatten. Nun, es gibt immer was zu meckern. Formbedingt bringt ein längerer und dünner Schwanzstiel leider auch die Gefahr mit sich, dass der Fisch das Schwänzchen abbeißen kann. Einige andere Firmen haben z.B. in ihren Gummis Gewebematten verbaut, welche dies verhindern sollen. Der Preis dafür ist aber eine geringere Aktion da die Matten das Material versteifen was sich, wie bereits angedeutet, negativ auf die Aktion auswirkt. Allerdings, das muss ich ganz klar sagen, bin ich durchweg positiv von der Haltbarkeit der Shads überrascht. Selbst die harten Bisse von unseren Forellen konnten den Gummis kaum etwas anhaben.

Was mich persönlich etwas wundert ist, dass Daiwa bei den Gummis Klebeaugen verwendet. Klar, das sieht toll aus, wirkt realistisch – und bringt leider nicht allzu viel wenn die Dinger irgendwann im Wasser abfallen. Besser wäre es hier gewesen die Spritzgussform so zu konfigurieren, dass an der Stelle der Einbuchtung für die Klebeaugen eine konvexe Ausbuchtung ist. Diese könnte man dann relativ einfach mit etwas weißer und schwarzer Farbe in ein Auge verwandeln welches zum einen nicht verloren geht und zum anderen deutlich günstiger sein dürfte als ein Klebeauge.

So sieht die Flexi Jig System Montage aus. Als Haken dient ein normaler Wurmhaken. Wegen seiner Widerhaken hält dieser sehr gut im Shad.

Last lure standing.

Die  Umverpackung ist wirklich hochwertig und auf der Rückseite finden sich Sicherheitshinweise in fünf gängigen Sprachen (zwar geht es auch ohne wie man an der Konkurrenz teilweise sieht, aber sicher ist sicher hat man sich wohl bei Daiwa gedacht). Das Ganze macht also einen ziemlich hochwertigen Eindruck. Nach sowas sucht man z.B. bei Profi Blinker oder bei Relax vergebens. Gerade aber in einer Zeit in der es schon als verpönt gilt, sich im Supermarkt eine Plastiktüte zu nehmen um sein Obst darin zu verpacken, kommt es einem Affront gleich, Gummifische in dem Plastikblister zu verkaufen der, zumindest auf den ersten (und leider auch auf den zweiten) Blick,  keine optimale Raumausnutzung hat. Würde man die Köder gegenläufig und teils verkehrt herum im Blister aufreihen, könnte man den Raum besser ausnutzen. Mir ist leider nicht bekannt, ob es sich bei dem verwendeten Plastik um kompostierbares Plastik wie es immer öfter eingesetzt wird, handelt. Wäre dies der Fall, könnten selbst die größten Kritiker über die suboptimale Raumausnutzung oder gar grundsätzlich die Verwendung des Plastikblisters hinweg sehen.

Es geht auch anders.

Die Fängigkeit ist bei Gummis neben der Haltbarkeit ein sehr wichtiges Thema. Die Shads sind schon arg klein (4,5cm), ideal also um im Sommer wenn die ersten Brutfische unterwegs sind, damit zu fischen. Auch im Herbst konnte ich mit den Gummis noch gut fangen. Im Winter allerdings bevorzuge ich dann doch deutlich größere Köder. Bevor man aber mit den Ködern fangen kann, muss man sich überlegen, wie man die kleinen Dinger überhaupt richtig montiert. Zum einen bietet es sich an, die Shads mittels eines kleinen Jigkopfs zu montieren. Alternativ, wenn man etwas tiefer runter muss, kann man das Flexi Jig System fischen. Persönlich achte ich immer darauf, egal ob mit Jigs oder Flexi Jig System, einen möglichst kleinen Kopf vor den Gummi zu setzen. Der Jigkopf dient beim Einholen als Strömungsbrecher und verhindert leider wenn er zu groß gewählt wurde, dass der Gummi seine maximale Aktion entfalten kann. Aber das bleibt jedem selbst überlassen.

Hauptsächlich Forellen, Döbel und Barsche konnten die kleinen Gummis überzeugen, ab und an verirrte sich aber auch ein Schusshechterl auf den Köder. Egal ob einfach eingeleiert oder variantenreich geführt – den Fischen war´s oft egal. Sie bissen und das ist die Hauptsache.

Beim Thema UV-aktive Farbgebung bei Gummifischen scheiden sich die Geister. Persönlich setze ich UV aktive Köder lieber im tiefen oder trüben Wasser ein. In klaren Forellenflüssen habe ich mit stark UV aktiven Ködern keine guten Erfahrungen gemacht. Doch wie sieht´s hier bei dem Micro Shad aus? Je nach Farbdekor anders! Jedem sollte klar sein, dass bei Gummifischen die Glitterverarbeitet haben, auch eine Reflektion der UV Strahlen statt findet. Dies hat aber nichts mit UV Aktivität zu tun sondern ist physikalisch gesehen nichts weiter als eine ordinäre Reflektion/Spiegelung. Der Micro Shad im Barschdesign ist aber UV aktiv wie man auf den Bilder unschwer erkennen kann. Allerdings vornehmlich im Kopfbereich auf der Unterseite. Das geht soweit in Ordnung – zumindest waren die gefangenen Forellen dieser Meinung. Damit kann man das Barschdesign mit gutem Gewissen auch an klaren Gewässern einsetzen ohne Angst haben zu müssen die Fisch zu verschrecken.

Fazit: Mit den Micro Shads schließt Daiwa (formtechnisch gesehen) eine Lücke auf dem Gummifischmarkt. Ob sich die Köder aber bei einem Stückpreis von ~90Cent pro Stück auf dem Markt durchsetzen können, wird die Zeit zeigen. Wer bei Barschen mehr auf Menge denn auf Größe achtet, macht mit Micro Shads sicherlich nichts falsch. Wer mehr über den Köder erfahren möchte, kann sich auf der Herstellerhomepage zusätzlich informieren.

Autor dieses Artikels
Profilbild

Pete

Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990
Partner
www.angler-oase.de
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