Angelruten ausbalancieren

Bei kaum einer anderen Angelart ist die Balance der Rute so wichtig wie bei der Spinnfischerei. Eigentlich auch logisch bedenkt man, dass man mit einer Spinnrute an einem Angeltag mehrere hundert Würfe macht. Ist eine solche Rute nicht auf die Anatomie des Anwenders abgestimmt oder allgemein kopflastig, so leiden der Komfortfaktor und letztendlich auch das Handgelenk.

In den letzten Jahren hat sich bei der Entwicklung der Angelruten einiges getan. Zwar nicht übermäßig viel aber ein gewisser Trend ist zu erkennen. Das Material, Kohlefaser, wird immer verdichteter, sprich unter größerem Druck gepresst. Das erlaubt die Verwendung von leichteren, da deutlich komprimierter, Kohlefasermatten.

Auch bei den Harzen welche zum Verkleben der Kohlefasermatten verwendet werden, hat sich was getan. Mittlerweile spricht man von Nanostäbchen und Nanopartikeln die hier zum Einsatz kommen. Ziel ist es allgemein einen möglichst dünnen, robusten und gut ausbalancierten Blank zu entwickeln mit einem geringen Harzanteil. Soweit so gut.

Bei den Ringen hat sich auch einiges getan. SiC Ringe sind mittlerweile Standard, egal ob von Fuji, SeaGuide oder No-Name Produkte. SiC ist in und wird es wohl auch noch länger bleiben. Lediglich die Dicke und die Größe der SiC Einlage unterscheiden sich bei den einzelnen Modellen und – ganz wichtig- das Material des Ringgestänges. Klar, es gibt immer Einsteg oder Doppelsteg Ringe aber ich möchte hier explizit auf das Material hinaus. Die Standard Ringe bestehen aus Metall. Meist ist das Edelstahl welcher einen guten Kompromiss zwischen Gewicht und Robustheit darstellt. Leider aber werden nicht nur die Rutenblanks sondern auch die Rollen gleichfalls leichter. Das bedeutet aber auch, dass die Ringe, um die Rute optimal auszubalancieren, auch leichter werden müssen. Jetzt könnte man natürlich die Ringstege dünner machen was aber letztendlich auf Kosten der Robustheit bzw. allgemein der Belastbarkeit geht. Mittlerweile geht der Trend bei hochwertigen Ruten dazu, Titan Ringe zu verbauen. Ganz ehrlich, bevor ich angefangen habe meine Ruten umzubauen und an meine persönlichen Anforderungen anzupassen, hielt ich diese „Spinnerei“ mit immer leichteren Ringen und die Verwendung von extrem leichten Materialien für Unsinn bzw. Geldschneiderei.

Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter wenngleich ich nach wie vor der Meinung bin, dass Ringe mit Titanstegen absolut überteuert sind. Die Gewichtseinsparung bei den Ringen lassen sich die Hersteller mit Gold aufwiegen – wortwörtlich. Bestes Beispiel: Ein normaler Fuji SiC Einsteg Ring mit 30mm Durchmesser wiegt ca. 7g, ein identischer Ring, ebenfalls von Fuji aber aus Titan wiegt fast 50% weniger. Das ist schon echt beachtlich.

Für ein besseres Verständnis sollte man sich das Hebelgesetz anschauen. Der Drehpunkt ist im Falle einer Angel die Position der haltenden Hand oder allgemein die des Rollenhalters. Stimmt nicht werden jetzt einige sagen. Auch mir wurde früher beigebracht, dass eine Rute als ausbalanciert gilt wenn man sie auf einem Finger in etwa auf Höhe des Hakenhalters, balancieren kann.

Das stimmt aber nur in der grauen Theorie. Beim Fischen mit Spinnern und Wobblern mag das nicht wirklich ins Gewicht fallen da man hier die Rutenspitze ohnehin meist gesenkt richtung Boden/Wasser hält. Fischt man aber z.B. vom Ufer aus und will den Köder über den Grund jiggen, so muss die Rute aufrecht gehalten werden. Ist besagte Rute dann nicht optimal ausbalanciert oder gar kopflastig, so macht die Fischerei keinen Spaß und man hat am Ende des Tages Verspannungen im Handgelenk. Meiner Erfahrung nach ist es deutlich besser wenn man eine hecklastige Rute fischt als eine kopflastige. Wieso das? Ganz einfach. Holt man den Spinnköder ein, verdrängt dieser Wasser bzw. muss gegen den Wasserwiderstand eingeholt werden. Hierfür muss man Kraft aufbringen. Ist die Rute dann auch noch zusätzlich kopflastig und muss entgegen der Schwerkraft nach oben gehalten werden (Jiggen) um Bisse besser erkennen zu können oder um den Köder zu beschleunigen, wirkt eine auf Dauer nicht ganz unerhebliche Kraft auf das Handgelenk des Anglers. Bei der Barsch- oder Forellenfischerei kann man das zwar halbwegs vernachlässigen, fischt man aber auf Hecht, Zander und Waller merkt man das recht zeitnah und deutlich am Handgelenk.

Grundsätzlich gibt es für den ambitionierten Spinnfischer vier Möglichkeiten seine Rute auszubalancieren. Alle diese Möglichkeiten setzen aber Bastelarbeit und etwas handwerkliches Geschick voraus.

  1. Versetzen des Griffs (Positionsänderung des Rollenhalters)
  2. Verwenden von leichteren Ringen (z.B. Fuji Titanium Ringe anstatt der üblichen Ringe mit Edelstahlrahmen)
  3. Verwendung von Tarier- bzw. Ausgleichsgewichten
  4. Montieren einer größeren und schwereren Rolle am Rollenhalter

Zu 1:

Seit Jahrzehnten werden im Rutenbau Rollenhalter verwendet wie z.B. der Fuji DPS. Den könnte man quasi als das Standardmodell bezeichnen. In den letzten Jahren kamen aber immer mehr anatomisch angepasste Rollenhalter auf den Markt. Ob dieses neue Design einen Einfluss auf den Fangerfolg hat, wage ich jetzt mal zu bezweifeln. Zumindest konnte ich keinen direkten, wohl aber einen indirekten Zusammenhang erkennen. In jedem Fall macht die Fischerei mehr Spaß wenn man einen zur Hand passenden, sich angenehm zu umfassenden Rollenhalter in den Griffeln hat. Als Novum kann man hier den vor über einem Jahrzehnt auf dem Markt gekommenen Rollenhalter der Firma Berkley ansehen. Erstmals wurde er bei der sogenannten Skeletor Rutenserie verbaut. Meiner Meinung nach ein richtig toller Rollenhalter. Danach kamen immer mehr Rollenhalter auf den Markt die anatomisch günstige Aussparungen aufwiesen. Schaut man sich aktuell die Rollenhalter der Mittelklasse sowie der Oberklasse Spinnruten an, so wird man feststellen, dass fast auf allen besseren Ruten Rollenhalter mit Aussparungen verbaut sind. Zufall? Wohl eher nicht. Allerdings spielt der Zeitgeist hier sicherlich auch eine nicht unwesentliche Rolle. Keiner der es sich leisten kann will mit antiquiert anmutendem Gerät ans Wasser gehen bzw. dort gesehen werden.

An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass die Werbeversprechen vieler Firmen schlichtweg nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Durchbrüche im Rollenhalter durch die augenscheinlich ein Stück des Rutenblanks schimmert zeigen in den meisten Fällen nicht ein Stück des Rutenblanks sondern die Oberfläche eines Spacers, in diesem Falle einer Carbon Hülse. Diese wurde verwendet um den Totraum zwischen dem eigentlichen Blank und dem Rollenhalter zu füllen. Das kann man auf den folgenden Bildern einer Greys Platinum Specialist Rute sehr gut erkennen.

Aber gut, wie geht man am besten vor wen man den Rollenhalter ersetzen oder allgemein das Line Up des Rutenunterteils neu aufsetzen möchte? In der Regel wird man nicht darum herum kommen den Startring vom Blank zu entfernen.

Dies geht am einfachsten indem man auf dem Ringsteg entlang die Bindung durchschneidet. Wichtig ist bei diesen sowie allen anderen Arbeiten am Blank, dass man die Kohlefaser nicht verletzt da sonst potentielle Bruchstellen entstehen. Kleiner Tipp am Rande: Hierbei am besten Handschuhe verwenden. Damit habt ihr die Sache hoffentlich fest im Griff.

Ein nettes und informatives Video hierzu konnte ich auf dem Youtube Kanal der Firma CMW finden.

Nun kann man sich dem eigentlichen Griffabschnitt widmen.  Zuerst entferne ich immer den Kork/EVA da dies die einfachste Arbeit ist. Anschließend kommt der Rollenhalter dran. Das ist ein bisschen Tricky da dieser recht fest mit dem Blank verklebt ist. Wer sich traut kann versuchen entlang der Nut des Rollenhalters mit einem Dremel zu arbeiten. Habe ich früher auch gemacht. Mittlerweile benutze ich eine normale Laubsäge. Das dauert zwar etwas länger aber man kann feinfühliger arbeiten und die Staub- und Lärmentwicklung sind deutlich geringer.

Beim Rollenhalter beginne ich immer mit dem Gewinde da hier das Plastik meist am dünnsten ist und sich theoretisch auch mit einem scharfen Messer abschälen lässt. Vorsicht bei Rollenhaltern die Metallapplikationen enthalten. Hier kommt man mit der Laubsäge verständlicherweise nicht wirklich weiter. Hier empfiehlt sich dann doch der Einsatz eines Dremels. Meist lässt sich der Rollenhalter recht einfach lösen sofern man vorsichtig zu Werke geht. Auch hier gilt: Verletzungen des Blanks müssen in jedem Fall vermieden werden.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man hier auch den Zierelementen/Ringen, den sogenannten Winding Checks aus Alu oder Edelstahl zukommen lassen. Diese sind meist ziemlich stramm auf dem Blank befestigt. Hier hilft leichtes Klopfen mit einem kleinen Hammer. Damit sollten sich die meisten Zierringe problemlos lösen lassen. Alternativ kann man auch hier mit einer Trennscheibe und dem Dremel arbeiten. Hierbei solltet ihr aber auf eure persönliche Schutzausrüstung (PSA) achten da hier feine Metallspäne entstehen. Am besten ihr saugt die entstehenden Späne unmittelbar während des Durchtrennens mit dem Staubsauger auf.

Hat man nun Rollenhalter und Griffmaterial entfernt steht man vor einem „nackten“ Rutenblank. Der untere Bereich auf dem vormals Rollenhalter und Co saßen, sieht meist wenig ansehnlich aus. Klebereste, verkratzte Oberflächen und unschöne Verfärbungen trüben die Freude ein wenig. Aber keine Sorge, wer sorgfältig arbeitet hat später eine Rute in der Hand bei der man nicht mehr optisch unterscheiden kann ob sie in einer großen Rutenbaufabrik hergestellt wurde oder daheim beim Maier Sepp in Hinterdupfelfingen.

Spätestens jetzt sollte man sich darüber klar werden wir man den Griff später wieder aufbauen möchte. Die Wahl des Rollenhalters ist Geschmackssache und eigentlich keine schwere Entscheidung. Wichtig ist nur, dass ihr beim Kauf die richtige Größe wählt.

Standard sind Rollenhalter mit 16mm bzw. 18mm Innendurchmesser. Das gilt für Spinnruten. Will man einen durchgängigen Griff wie es früher bei allen Ruten Standard war, so hat man die wenigste Arbeit vor sich. Will man jedoch einen zweigeteilten Griff wie er vor einigen Jahren bei den Karpfenanglern in Mode kam und seit ein paar Jahren auch bei den Spinnfischern immer beliebter wird, so muss man etwas mehr Arbeit in die ordentliche Umsetzung investieren. Zuerst sollte man sich klar werden welches Material man verwenden möchte. Kork oder EVA oder gar Schrumpfschlauch? Persönlich habe ich früher gerne Kork verbaut. Allerdings handelt es sich hierbei um ein Naturprodukt welches natürlichen Schwankungen unterliegt und in den letzten Jahren immer teurer geworden ist. Aus diesem Grund fällt aktuell meine Wahl eigentlich nur noch auf EVA Griffe. Diese sind günstig, pflegeleicht und schlicht.

Sollte man sich dafür entscheiden aus einem ursprünglich durchgängigen Griff einen Split Grip, also einen geteilten Griff zu machen, ist etwas mehr Handarbeit erforderlich. Wir müssen hier nun bedenken wie wir den Bereich der unter dem ursprünglichen Griff war und nun vermutlich mit Kleberesten und Kratzern übersät ist, ansehnlich gestalten oder formschön überlagern. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten.

I. Folieren

II. Lackieren

Folieren wird vornehmlich in der Automobilindustrie genutzt um einzelnen Teilen des Autos den Anschein von Carbon zu verleihen. Diese Folien sind recht günstig, die Verarbeitung ist grundsätzlich einfach. Allerdings müssen wir hier ein meist konisch zulaufendes, rundes Stück Kohlefaser folieren. Das ist dann doch nicht ganz so einfach wenn das Endergebnis optisch ansprechend aussehen soll. Hierzu ist es dringend von Nöten genau zu berechnen welchen Umfang der Blank am Anfang, in der Mitte und am Ende des zu folierenden Stücks hat. Berechnen kann man dies mit folgender Formel.

Umfang = 2 * π * r bzw. 2 * 3,14 * (Durchmesser des Blanks /2)

Klingt vielleicht schwieriger als es ist. Sollte man diese akademisch unanspruchsvolle Tätigkeit erfolgreich hinter sich gebracht haben, kann man die Folie entsprechend zuschneiden. Bevor man das Blankstück damit beklebt, sollte man den entsprechenden Bereich nochmal leicht abschmirgeln bzw. anrauen und anschließend den Abrieb sauber entfernen um ein optimales Kleberesultat erzielen zu können.

Während des Applizierens der Folie sind Luftblasen und Wellenschlag in der Folie zu vermeiden (ihr kennt das sicher von den Displayfolien auf eurem Handy). Hat man auch dies nun gemeistert sollte die Folie mit einem 2K Lack versiegelt werden um eine lange Haltbarkeit zu gewährleisten. Ich benutze hierfür immer FlexCoat Lack.

Das Ergebnis könnt ihr z.B. auch in diesem Bericht von mir sehen.

Die zweite Möglichkeit ist, wie oben bereits angedeutet, die Einfärbung des freiliegenden Blankabschnitts. Auch hier ist es nötig den Blank an dem zu lackierenden Abschnitt zu reinigen und zu glätten.  Dies geschieht wie beim Folieren auch mit Schleifpapier oder feiner Stahlwolle. Nehmt bitte nur sehr sehr feines Schleifpapier da sonst der Abrieb zu stark ist. Anschließend muss dieser noch sauber entfernt werden da der Lack andernfalls nicht optimal haftet.

Zum Lackieren des Blankstücks könnt ihr entweder Airbrush Farben auf Acryl-Wasser Basis nehmen oder ihr nehmt Spraydosen die auch zum Lackieren von Fahrrädern oder Autos geeignet sind. Klebt aber vorher die bereits auf dem Blank befindlichen Komponenten wie Rollenhalter und Griffe sorgfältig ab. Gerade bei Spraydosen ist der Spraystrahl recht weit gefächert und ihr könnt damit mehr versauen als euch lieb ist.

Anschließend muss der Lack trocknen. Grifffest ist er meist bereits nach 60-90 Minuten. Optimal ausgehärtet ist er zu diesem Zeitpunkt aber noch lange nicht. Bitte seid hier geduldig und wartet mindestens 24h bevor ihr den durchsichtigen Schutzlack aufbringt. Auch hier verwende ich Klarlack aus der Automobilbranche. Zwei Schichten Klarlack sollten ausreichen um den meisten mechanischen Beanspruchungen zu widerstehen die auf eine Angelrute zukommen können.

Aber wie befestigt man denn nun den Rollenhalter und das Griffmaterial zuverlässig am Blank? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei einigen Rutenherstellern wird ein selbstständig aufschäumender Bau/Klebeschaum verwendet. Dieser ist sehr leicht vom Gewicht her. Persönlich verwende ich allerdings immer noch die althergebrachte, klassische Methode indem ich den Rollenhalter und die Griffstücke mit Tape unterwickle. Das ist zwar vom Gewicht her etwas schwerer, hält aber dafür zuverlässig sofern man sauber arbeitet.

Der gesamte Bereich muss vorher sorgfältig gereinigt und entfettet werden. Dafür schmirgle ich den Bereich mit feiner Stahlwolle ab, entferne den Abrieb und beginnen nun das Tape auf den Blank zu wickeln. Hierfür gibt es diverse Bücher und Youtube Videos. Empfehlen kann ich hier die Tipps und Vorgehensweise von Christian Weckesser, einem Rutenbaupionier in Deutschland. Seinen YouTube Kanal findet ihr hier.

Nun kommt die eigentliche Tarierarbeit. Ich baue die Rute jetzt so auf, wie sie später aussehen soll OHNE die Komponenten mit Kleber zu fixieren. Ist dies geschafft, befestige ich eine passende Rolle im Rutenhalter und verschiebe diesen mit samt Vorgriff auf dem Blank bis ich die Stelle gefunden habe, bei der die zusammensteckte Rute (den Leitring befestige ich mit Tesafilm solange am Blank) auf meinem Zeigefinder balancierend auf Höhe des vorderen Rollenfußendes im Gleichgewicht ist.

Die meisten Angler nehmen als angestrebten Gleichgewichtspunkt den Bereich vor dem Vorgriff, in etwa auf Höhe des Hakenhalters. Davon halte ich, wie eingangs erwähnt nicht viel. Im Optimalfall muss man den Rollenhalter nur ein paar Zentimeter auf dem Blank nach oben versetzen (diese Position markieren wir uns mit einem passenden Stift). Bei manchen Blanks ist es leider so, dass man den Rollenhalter so weit nach oben versetzen muss, dass das hintere Griffstück viel zu lange werden würde und ein Fischen damit nicht mehr möglich ist. (Hier muss man mit Tariergewichten im Inneren des Blanks nachhelfen).

Wichtig ist, dass das Tape stramm gewickelt wird und sich der Rollenhalter bzw. das Griffmaterial danach gerade so darüber schieben lassen.

Sind die Wicklungen des Tapes fertig, mischt man ausreichend 2k Kleber an und streicht diesen auf die Wicklungen. Hier ist zügiges Arbeiten gefragt da der Kleber recht schnell aushärtet. Sind alle Wicklungen bestrichen, wird der Rollenhalter bzw. das Griffstück aufgeschoben. Es macht Sinn die Übergangsbereiche von Rollenhalter und Moosgummi/EVA/Kork mit Tape abzukleben da man ja doch meist während der Klebearbeiten etwas kleckert und Klebereste auf dem schwarzen Griffmaterial nicht gut aussehen. Nach ca. 24h ist auch dieser Kleber vollständig ausgehärtet und man kann sich der Installation des im Vorfeld entfernten Leitrings widmen.

Zu 2:

Die Substitution alter, schwerer Ringe gegen neue und leichtere Ringe reicht in der Regel nicht aus um die sehr schlechte Balance einer Rute signifikant zu verbessern. Allerdings kann man, wenn man die Rute ohnehin im Griffbereich umbauen muss/möchte durch einen Ringtausch wirklich sehr gute optische Ergebnisse erzielen. Der Ringtausch ist quasi das i-Tüpfelchen bei der ganzen Umbaugeschichte. Gehen wir im Folgenden fiktiven Fall davon aus, dass die Ringe entlang des Springerpunkts des Rutenblanks aufgebaut sind und wir diesen nicht separat bestimmen müssen. Sollte dem nicht so sein, empfehle ich euch das folgende Video. Dort wird kurz und knackig erklärt was es mit dem Springerpunkt auf sich hat und wie man ihn findet.

Wie bereits oben beschrieben solltet ihr die Ringe entfernen indem ihr entlang des Ringstegs mit einem Messer die Bindungen auftrennt. Das geht recht schnell und sauber von statten. Wer die Ringe vorher noch etwas mit einem Feuerzeug anwärmt, hat bei sehr harten Ringbindungen definitiv einen Vorteil.

Ich für meinen Teil habe von einigen meiner alten Ruten die teils überdimensionierten SiC Ringe entfernt und gegen leichtere SiC Ringe oder Ringe deren Rahmen aus Titan ist, ersetzt. Mittlerweile gibt es auch Light SiC Ringe die eine dünnere Einlage haben und somit auch leichter sind als die Standard SiC Ringe. Was man nimmt, ist eine Frage des Geschmacks und leider auch des Geldbeutels. Ringe mit Titan Rahmen sind sackteuer…

Hat man sich für ein Fabrikat seiner Wahl entschieden, macht es Sinn sie an den gleichen Stellen zu montieren an denen bereits vorher die Ringe an der Rute waren. Selbst wenn man den Springerpunkt an einer anderen Stelle des Blanks lokalisiert hat. Hier ist es ausreichend den Blank dann entsprechend zu drehen. Die Höhenposition der Ringe bleibt gleich, lediglich die Ausrichtung muss man ändern. Zweisteg Ringe machen vor allem bei Ruten mit hohem Wurfgewicht (>80g) Sinn. Alle leichteren Ruten kann man mit guten Gewissen mit Einsteg Ringen ausstatten. Bestes Beispiel ist eine Fox Special Shad Rute welche ich vor einigen Jahren erwarb. Diese Rute hat ein Wurfgewicht von 15-50g und war leider ab Werk mit Doppelsteg Ringen ausgestattet. Hinzu kam auch noch, dass meiner Meinung nach zu viele Ringe auf dem Blank verbaut waren. Als ob das noch nicht schlimm genug wäre, war der Leitring viel zu klein dimensioniert was auf Kosten der Wurfweite geht. Entsprechend selten kam die Rute dann bei mir zum Einsatz…. Bis ich mich entschloss das gute Stück umzubauen.

Die Doppelsteg Ringe wurde durch Einsteg SiC Ringe, der Korkgriff durch EVA Material und der Rollenhalter gegen ein Fabrikat meines Vertrauens ersetzt. Und siehe da, die Rute ist nun genauso wie ich es mir von Anfang an gewünscht  hätte. Die investierte Zeit hat sich also gelohnt. Was es mit dem neu Wickeln der Rutenringbindungen und dem anschließenden Lackieren auf sich hat, könnt ihr dem Video entnehmen.

Zu 3:

Wie bei Punkt 1 zu lesen ist, kann es unter bestimmten Umständen nicht ausreichen den Rollenhalter nach vorne zu verlagern. Die Rute bleibt schlichtweg zu kopflastig. Dieses Problem hatte ich bei meiner Greys Prowla Platinum Rute (2,7m 50-100g). Der Blank dieser Rute ist sehr dünn aber massiv und übelst kopflastig aufgebaut. Ein einfaches Versetzen des Rollenhalters brachte kaum Verbesserung. Bevor ich die Rute umbaute hatte ich bereits 40g Blei am unteren Ende des Blanks eingefügt und dazu noch einen schweren Abschlussknauf angebracht. Ansonsten wäre ein Fischen mit der Rute schlichtweg nicht möglich gewesen. Außerdem hatte die Rute eine durchgängige Sic (Seaguide) Doppelsteg Beringung. Da mir aber der Blank recht gut gefiel, sowohl optisch als auch von der Aktion, beschloss ich die Rute komplett zu rippen und neu aufzubauen. Wie unter Punkt 1 zu lesen, musste ich bevor ich die Gewichte sowie die anderen Komponenten an der Rute fest installierte, erstmal den Schwerpunkt so verändern, dass er auf Höhe des vorderen Rollenfußes lag. Den dicken Abschlussknauf wollte ich nicht nochmal an der Rute anbringen. Nebenbei bemerkt hatte ich mir die Rute damals gekauft wegen des tollen Rollenhalters der einen (angeblich) direkten Kontakt zum Rutenblank über die eingefrästen Aussparungen zulassen soll. Ihr könnt euch sicher vorstellten wie enttäuscht ich war, als ich feststellte, dass das in den Aussparungen sichtbare Material nicht das des Rutenblanks war sondern das einer unter dem Rollenhalter montierten Karbon Manschette. Tja, so wird man beschissen. Mittlerweile habe ich schon mehrere Dutzend Angelruten umgebaut, teils für mich selbst, teils für Freunde und noch nie kam mir ein Rollenhalter unter der direkt auf dem Blank montiert ist.

Solltest ihr euren Griff nicht komplett abmontieren wollen weil ihr Angst habt, ihn später nicht mehr zusammen zu bekommen oder weil ihr mit zwei linken Händen was handwerkliche Tätigkeiten betrifft, geboren wurdet, so könnt ihr auch einfach bei eurer Rute unten ein Loch in den Griff bohren und dort durch probieren eine entsprechende Menge Blei implementieren um so das Gleichgewicht der Rute zu verbessern.

Früher habe ich als Ausgleichsgewichte immer die Bleielemente von Tiroler Hölzeln genommen. Diese sind langezogen und passen in die meisten Blanks problemlos hinein. Mittlerweile gehe ich etwas anders an die Sache heran. Ich verwende als Tariergewichte Geschosshülsen. Ja, richtig gelesen, Geschosshülsen aus dem jagdlichen Bereich. Für die meisten mittleren Spinnruten haben sich Hülsen auf 5,56mm Basis (z.B. .223) bewährt. Bei schwereren Spinnruten kommen 7,62mm Hülsen (z.B. .300WinMag) zum Einsatz und bei leichten Spinnruten 9mm Hülsen. Bei Ultralight Spinnruten sogar Kaliber .22 Hülsen.

Aber eine Hülse alleine bringt meist noch nicht ausreichend Eigengewicht mit um eine Rute auszubalancieren. Also was machen? Ganz einfach. Die Hülsen werden sukzessive mit Bleischrot gefüllt, so lange bis sie das richtige Gewicht für die Rute haben. Anschließend wird die Hülse mit dem enthaltenen Blei mit einem Bunsenbrenner erwärmt. Wichtig an dieser Stelle ist es noch zu erwähnen, dass es sich um eine abgeschossene Hülse handeln muss da sonst das Zündhütchen im Hülsenboden hochgeht…. Ist das Blei geschmolzen bildet es eine feste Einheit mit der Hülse und kann nach dem Abkühlen mit 2k Kleber im Rutenblank verklebt werden. Bei manchen Ruten ist es nötig vorher das Innere des Blanks von Kleberesten zu reinigen. Hierfür bietet sich eine Rundfeile an.

Zu 4:

In der heutigen Zeit werden die Ruten und auch die Rollen immer leichter. Darunter leidet die Balance der Kombination aus beidem. Bestes Beispiel. Man wird heute kaum mehr eine Spinnrute finden die ca. 10 Jahre oder älter ist und mit den aktuellen Rollen in Leichtbauweise optimal ausbalanciert ist. Glücklicherweise gibt es aber noch Hersteller die ihre Rollen robust Bauen und Aluminium als Werkstoff noch nicht ganz abgeschrieben haben. Penn Rollen sind beispielsweise für ihre schwere und robuste Art bekannt. Aber auch Daiwa verwendet in seinem aktuellen Lexa Rollenmodell wieder mehr Alu als Werkstoff.

Autor dieses Artikels
Profilbild

Pete

Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990
Partner
www.angler-oase.de
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