Weiher Taktiken

Fast jeder Angler kennt einen kleinen Weiher in seiner näheren Umgebung. Meist handelt es sich hierbei um kleine Regenrückhaltebecken die nie ganz trocken fallen oder um den kleinen Alibiweiher vorm Bauernhof. Auf Nachfrage wird ihnen der Besitzer bestimmt erlauben dort zu fischen. Da stehen sie nun vor einem kleinen schlammigen Loch, zugewachsen mit Kraut und allerlei Unraut drinnen und fragen sich, soll ich oder soll ich nicht (angeln). Die Frage kann ich ihnen recht schnell beantworten: „Ja sie sollen“. Das trifft zumindest auf die Bauernweiher zu. Was die wenigsten von uns wissen ist, dass diese Weiher, je nach Größe früher meist intensiv mit Karpfen und Schleien besetzt wurden. Dies kann man wiederum darauf zurückführen, dass früher der Glauben der Leute im Leben eine übergeordnete Rolle gespielt hat. Damals war es brauch einmal pro Woche völlig auf Fleisch zu verzichten. Die Mönche wussten sich aber aus der Affäre zu ziehen, indem sie einfach Fisch anstatt Fleisch aßen. Das ,nennen wir es mal, gemeine Volk, übernahm diesen Brauch. Am längsten hielt sich diese Tradition auf dem Lande. Das erklärt auch warum dort häufig diese oben beschriebenen kleinen Weiher und Tümpel zu finden sind.

Durch den Zufall, bzw. durch einen Freund, bin ich auch an so einen Weiher gekommen. Der erste Eindruck mag einen Angler in den seltensten Fällen umwerfen, allerdings darf man bei solchen Gewässern nicht nach dem optischen gehen. In einigen dieser Weiher schwimmen teilweise wirklich kapitale Fische. Der Angler darf im allgemeinen mit folgenden Spezies rechnen: Karpfen, Schleie, diverse Weißfische, Hecht, Brachsen, vereinzelt Zander, Wels, Döbel, Karauschen und dicke Aale. Das sind alles Fische die sich in den meisten Weihern wohl fühlen würden. Ob sie auch vorhanden sind ist die andere Frage, aber für einen Angler sollte dies heraus zu finden kein Problem sein. Besonders bei Karpfen, Aalen und Schleien kann man sich auf größere Exemplare gefasst machen.

Karpfen: 
An wirklich kleinen Gewässern empfiehlt sich das Fischen auf Sicht bzw. mit der Pose. Als Köder nimmt man je nach Lage des Weihers entweder Mais (klappt nicht immer) oder Würmer. Handelt es sich um einen etwas größeren Weiher kann man es mit der Grundrute und dem Bodenblei versuchen. Weißt der Boden eine dicke Schlammschicht auf, sollte man dem Festblei den Vorzug geben. Ein Gewicht von 60g reicht meistens völlig aus. Viele so genannte Profis verwenden nur Bleie über 80g. Dazu kann ich allerdings nur sagen, dass die Mäuler dieser Weiherkarpfen durch die Nahrungsaufnahme im Schlamm relativ weich sind. Daher bracht man meiner Erfahrung nach kein allzu schweres Blei um den Haken ins Fischmaul zu treiben. Zudem sinkt das Blei in den Schlamm ein und erhöht so den Widerstand, bzw. das Bleigewicht um ein vielfaches. Was allerdings wesentlich wichtiger ist als das Bleigewicht ist die Verwendung von weichen Ruten bzw. monofiler Schnur. Diese Karpfen haben ein sehr sehr weiches Maul und bei zu steifen Gerät hat man einfach zu viele Aussteiger. Besonders interessante Stellen sind Einläufe (wenn vorhanden). An diesen Zuläufen ist die Bodenkonsistenz bzw. Struktur meistens anders als im restlichen Teil des Weihers. Handelt es sich hier um festen, steinigen oder kiesigen Boden, so hat man in der Regel seinen ersten Hot Spot gefunden. Auch an den Kanten (sofern vorhanden) lohnt ein Versuch. Sind Wasserpflanzen im Gewässer sollte man diese Stellen auch nicht außer acht lassen.

 

Die grünen Heimlichtuer mit den Roten Teddyaugen fühlen sich in schlammigen Gewässern pudelwohl. Der weiche Boden bietet ihnen einen reich gedeckten Tisch. Von Wasserschnecken über Mückenlarven, Schlammröhrenwürmer und Wasserasseln ist alles vorhanden was die Schleie liebt.
Bei starken Regenfällen werden von den angrenzenden Wiesen oft Würmer und Schnecken in das Gewässer eingebracht, an denen sich die Schleie labt. Ihr nachzustellen erweist sich oft als nicht zu leicht. Empfehlen kann ich ein 5g schweres Birnenlaufblei, auf der Hauptschnur und ein 0,16 Vorfach an dem ein 8er oder 12 Haken baumelt. Das Fischen mit der Pose ist ebenfalls möglich. Ein Versuch vor Krautbeeten lohnt fast immer. Alternativ kann man es auch an den Karpfenstellen versuchen. Als Köder eignen sich Wasserschnecken (Achtung, einige Arten stehen unter Naturschutz), Mais, Maden und Würmer. Schleien sind Gewohnheitstiere, sie folgen immer den selben Routen, den so genannten Schleienstraßen. Hat man einmal so eine Straße entdeckt, kann man reichlich Beute machen. Wichtig ist jedoch eine gehakte Schleie so schnell wie möglich vom Schwarm wegzudrillen, da die anderen Tiere sonst vergrämt werden.

Aale:

Aale kommen nur selten in solchen Gewässern vor. Am besten man fragt den Besitzer ob mal welche besetzt wurden. Lautet die Antwort ja, so kann man unter Umständen einen Volltreffer gelandet haben. Hat das Gewässer einen Zu- oder Abfluss, besteht die Chance eine echt kapitale Schlange zu fangen. Aale haben die Angewohnheit sich nach Einsetzen der Geschlechtsreife auf die lange und gefahrenvolle Reise zu ihrem Geburtsort, dem Sargassomeer zu machen. Fehlt dem Gewässer jedoch der Anschluss zu einem anderen Gewässer, bzw. zu einem größeren Strom, so sind sie gezwungen ihr Leben in dem Weiher zu fristen. Dort frisst sich der Aal dick und rund an dem Laich der anderen Fische. Kleine Weißfische, Krebse, Muscheln, Würmer und Schecken stehen auf seinem Speisezettel. Meistens fängt man Aale nur nachts, bietet man jedoch seinen Köder tagsüber an einer Schattigen Stelle, bevorzugt noch im Kraut an, so hat man echte Chancen auf einen Tagaal. Als Montage empfiehlt sich je nach Krautvorkommen ein etwas robusteres Gerät, da der Aal dazu neigt sich im Drill irgendwo festzusetzen. Als Montage würde ich ein leichtes Laufblei oder die Pose nehmen.

Zander:

Dieser Edelfisch kommt eher selten in Weihern vor. Tatsache ist das er bei dem trüben Wasser meist auch tagsüber zu fangen ist. Wenn es der Krautbestand zulässt, sollte man mit Spinnködern (Spinner, Gummis etc.) fischen. Ansonsten bleibt einem nur das Fischen mit dem toten Köderfisch. Als besonders erfolgreich hat sich eine Laufbleimontage herausgestellt. Der Köderfisch sollte ca. 8 bis 12 cm lang sein. Um ihn für den Zander noch interessanter zu machen, entschuppt man ihn und schneidet kleine Kerben in seine Flanke. Steht der Weiher unter starken Befischungsdruck wartet man mit dem Anhieb immer etwas. Sind sie der einzige der dort fischt, können sie getrost schneller den Anhieb setzen.

Hecht:

Hechte kommen öfters in Kleingewässern vor als man annehmen möchte. Dies liegt vor allem daran das kleinere Weiher öfters von Enten und Gänsen frequentiert werden. Nun werden sie sich natürlich fragen was haben Enten und Gänse mit Hechten zu tun. Dadurch das Enten sehr viel Umher schwimmen, kommt es vor allem im Frühjahr des Öfteren vor, dass sie mit ihren Gefieder an Laichballen der Fische kommen. Dieser Laich bleibt oft unbemerkt an de, Gefieder der Enten hängen. Fliegt nun diese Ente zu einem anderen Gewässer, so transportiert sie den Laich unfreiwillig mit. Schon hat man Hechte in seinem Gewässer. Natürlich dürfen sie nicht mit allzu großen Exemplaren rechnen. Obwohl der Hecht ein sehr schnellwüchsiger Fisch ist, hängt sein Wachstum sehr von den Umweltbedingungen ab. Hat der Weiher aber eine ordentliche Größe (0,5ha oder mehr), im Sommer konstant um oder über 20°, klares Wasser und Wasserpflanzen sowie genügend Futterfische darf man durchaus mit größeren Hechten rechnen. In flachen Gewässern sind Jerks sowie alle Arten von Oberflächenwobblern sehr gute Köder. Auch sollten sie im Frühjahr darauf achten wie viele Entenküken auf ihrem Weiher schwimmen. Werden es immer weniger oder verschwinden sie plötzlich mit einem lauten Platschen unter Wasser sollten sie unbedingt einen Ansitz auf Hecht versuchen.

Wels:

Er ist der heimliche Herrscher im Weiher. Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Hat er erstmal eine bestimmte Größe erreicht braucht er nur noch das Alter zu fürchten, ach ja und den Angler natürlich. Aber nüchtern betrachtet gibt es kaum Kleinstgewässer die einen Waller beherbergen. Als Köder lohnen sich Tintenfische, normale Köderfische und Würmer. Das Gerät sollte etwas stärker ausfallen, je nach Pflanzenbewuchs und Größe des zu erwartenden Wallers.

Weißfische:

Weißfische tummeln sich in allen Formen und Farben in kleinen Weihern. Sei es nun Nachbars Fritz der seinen Goldfisch dezent entsorgen wollte oder der Entenschwarm (Erklärung siehe oben) vom letzten Jahr der für eine unfreiwillige Artenbereicherung des Gewässers gesorgt hat. Vor allem Fliegenfischer können sich hier freuen. Sind um das Gewässer herum keine Bäume Äste oder Sträucher sollte man es unbedingt mal der Fliegenrute und einer kleinen Nymphe versuchen. Sollte der Weißfischbestand verbuttet sein, können sie mit ziemlicher Sicherheit daraus schließen, dass dieses Gewässer einen Raubfischmangel hat. Allerdings sind verbuttete Weißfische prima Köder bzw. die idealen Aquariumsfische.

Meine bevorzugte Art auf Friedfisch zu angeln sehen sie hier auf der Abbildung. Der Rote Bogen stellt die Hauptschnur im Normalzustand dar. Sollte sich die Schnur straffen (hier gelb dargestellt) sollten sie den Anhieb setzen.

Als Montage verwende ich ein leichtes Birnenlaufblei von ca. 5g. Die Rute wird in einem Winkel von ca. 40 bis 65 Grad vom Boden her gemessen aufgestellt. Die Schnur sollte auf keinen Fall straff sein. Das würde dem beißenden Fisch zu viel Widerstand bieten. Auf Bissanzeiger verzichte ich völlig. Ich beobachte lediglich die Schnur. Sollte sich der Schnurbogen verkleinern, sprich die Schnur straffen setze ich sofort den Anhieb.

 

Ködertipp: Zur Froschlaichzeit sind solch kleine Gewässer meist randvoll mit Fröschen die nur eins im Sinn haben. Na ihr wisst schon….Hier hat sich ein Gummifrosch als Köder bewährt. Einfach so ähnlich wie einen Twister führen.

Autor dieses Artikels
Profilbild

Pete

Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990
Partner
www.angler-oase.de
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4 Gedanken an “Weiher Taktiken

  1. Schadowx

    weiher
    Das ist ein guter tipp und echt einige versuche wert ! Man müsste nur mal wissen wo man solche gewässer findet und wem sie gehören ! Lässt sich da was machen bzw habt ihr da auch einen tipp für mich ???

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