Der Döbel – die Forelle des armen Mannes

Ich möchte heute mal eine Lanze für eine der unterschätztesten Fischarten in unseren heimischen Gewässern brechen, dem Döbel. In Bayern wird er vielerorts auch Aitel genannt. Dieser zur Familie der Weissfische gehörende Cyprinide ist seiner Klassifizierung nach ein ausgemachter Friedfisch. Doch weit gefehlt. Der Döbel ist ein echter Omnivore.

Der Döbel Squalius cephalus in Bayern auch Aitel genannt

In Forellengewässern wird er nicht gerne gesehen, verspeist er doch Laich und Jungfische der edlen Salmoniden. Den Vogel an Bedenken schossen jedoch die I(r)ren ab. Normalerweise ist der Döbel in der irischen Fauna nicht heimisch. Als dann kurz nach der Jahrtausendwende die ersten Exemplare auch in Irland gesichtet wurden, sorgte das für gesteigertes Unwohlsein. Eine interessante Abhandlung darüber findet ihr hier.

Auch kulinarisch ist der Döbel ja nicht unbedingt das, was man als delikat bezeichnet. Sein Fleisch ist zwar sehr fein, allerdings stören die massig vorhandenen Gräten den Genuss schon ziemlich.

Persönlich freue ich mich immer wenn ich beim Forellenfischen einen guten Döbel fange. Besser dem Döbel im Kescher als die Forelle im Gumpen wie man so schön sagt. An manchen Tagen aber sind die Döbel listiger, vorsichtiger und schlauer als alle Forellen des Gewässers zusammen. Dies ist oft der Fall wenn der Befischungsdruck recht groß und das Wasser sehr klar ist. Egal wie dünn man dann das Vorfach wählt oder die Fliege präsentiert – der Döbel durchschaut den Betrug. Aber wehe es hat kürzlich geregnet und das Wasser ist leicht eingetrübt – dann lässt der sonst so scheue Geselle eine Zurückhaltung fallen und attackiert unsere Köder hemmungslos als ob es kein Morgen gäbe.

Eine weitere Besonderheit sind überhängende Äste an einem Gewässer. Der Döbel, von Natur aus ein geselliger Fisch, patrolliert in kleinen Trupps unterhalb von überhangenden Ästen im flachsten Wasser entlang. Das macht er natürlich nur, wenn direkt daneben kein Wanderweg etc. entlang geht. Auf Störungen reagieren die Dickköpfe nämlich sehr empfindlich…und nachtragend sind sie auch…

Wirft man z.B. vom Boot aus direkt unterhalb der überhängenden Äste seinen Köder ins Wasser, so wird dieser nicht lange unbemerkt bleiben.

Jeder Baum und Busch hat seinen Döbel(schwarm) und dieser lebt dort meist wie im Schlaraffenland. Windstöße und Regen waschen Insekten und Schnecken von den Blättern – direkt ins Maul der lauernden Döbel. Diese Fische erwarten in ihrem Unterstand in der Regel keine Gefahr und nehmen dort angebotene Köder ohne Argwohn gierig an.

Ein weiteres schönes Beispiel hierfür sind Schwemmholzgürtel. Nach starken Regenfällen oder Stürmen findet sich so einiges an Holz im Gewässer. In Rückströmungen oder an natürlichen Hindernissen bilden sich alsdann regelrechte Teppiche an Totholz aus. Unter diesen Teppichen tummeln sich die Döbel zusammen mit anderen Fischen sind sie dort doch geschützt vor fischfressenden Vögeln und Anglern.

Gerade an solchen Hot Spots sollte man sein Glück versuchen. Allerdings sollte man hier nicht zu fein fischen. Selbst ein 40cm Döbel kann ordentlich Gas geben und schnell hat sich die Schnur um ein Hindernis herum gewickelt.

Allgemein sind Döbel nicht sehr kampfstark. Einige bockige Fluchten und Kopfstöße, dann ist der Spuk vorbei. Fische bis 50cm kämpfen etwas ruppig aber wenig ausdauernd. Die ganz großen Exemplare, sprich 60cm + hingegen verhalten sich erfahrungsgemäß etwas ausdauernder. Sie setzen auch ihr gesamtes Körpergewicht im Drill ein. Diese Fische gehen nur sehr selten an den Haken, schließlich sind sie nicht umsonst so groß geworden.

Ab 60cm aufwärts gleichen sie optisch vielmehr einem Graskarpfen als einem Döbel. Die massige und hochrückige Form, die schon grau gewordenen großen Schuppen an den Flanken und das typische dickköpfige Gesicht machen diese Fische wirklich zu etwas Besonderem. Ein Döbel dieser Größe hat dann etwa 12 Jahre und mehr auf den Gräten. Zum Verspeisen ist so ein Fisch wahrlich zu schade. Außerdem vermute ich mal ganz stark, dass das Fleisch eines solchen Methusalems nicht mehr genießbar ist. Als Speisefisch kommt den kapitalen Exemplaren dieser Art keine Bedeutung zu, wohl aber als Laichfischen die für den Arterhalt sorgen.

Ködertechnisch kann man dem Döbel so ziemlich mit allem fangen. Nachfolgend nur mal ein grober Überblick an Ködern die fangen: Frühstücksfleisch, Kirschen, Maden, Würmer, Wobbler, Gummifische, Spinner, Nymphen, Nass- und Trockenfliegen, Leber, Twister, Blinker, Schnecken uvm.

Die beste Fangzeit für Döbel? Schwer zu sagen. Eigentlich kann man Döbel das gesamte Jahr über fangen. Das ist einer der Reize die die Döbelfischerei ausmacht. Keine Schonzeit und kein Schonmaß. Egal welche Restriktionen bei den meisten Fischen herrschen, auf Döbel geht erfahrungsgemäß immer was. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Döbel sich besonders im Frühsommer gut fangen lässt. Die besten Monate sind Mai und Juni. Aber auch im Herbst ist er ein dankbarer Abnehmer unserer Köder.

Interessanterweise kommt ein Döbel selten alleine. Die Fische treten oftmals in kleinen Trupps auf wobei die Größen hier recht unterschiedlich sind. Es sind fast immer ein paar richtig kapitale Exemplare dabei, ebenso viele Halbstarke. Nun ratet mal welches Exemplar euren Köder meist zuerst nimmt wenn ihr in einen Döbelschwarm euren Köder werft…richtig, die kleinsten Gierschlunde sind meist am schnellsten.

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Pete

Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990
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www.angler-oase.de
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