Westin Swimbaits

Als die Marke Westin vor einigen Jahren ihren Einzug auf dem europäischen Markt hielt, dachten wohl die Wenigsten, dass es diese Firma schaffen könnte sich innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz in der Kunstköderwelt zu sichern. Rückblickend kann man aber definitiv sagen, dass sich die Kritiker geirrt haben. Ich für meinen Teil habe den Siegeszug von Westin anfangs eher etwas skeptisch betrachtet….bis zu dem Tag an dem ich einige der Hybrid Swimbaits von Westin im Sonderangebot käuflich erwerben konnte. Preislich gesehen liegt Westin bei seinen Swimbaits etwas unter den Castaic Ködern. Also im Klartext,  mittleres Preissegment. Da fällt es einem natürlich nicht ganz so einfach mal einen großen Mike the pike oder Tommy the trout zu kaufen wenn man dafür zwischen 20 und 30 Euronen berappen muss.  Daher hat es auch längere Zeit gedauert bis die Köder Einzug in meine Köderkiste hielten. Zumal die Konkurrenz aus dem Skandinavischen Raum sehr sehr stark ist. Savage Gear fertigt seit einiger Zeit auch extrem gute aber erschwingbare Köder. Vor allem  ist Savage Gear meiner Einschätzung nach eines der innovativsten Unternehmen im Ködersegment wie auch die zahlreichen internationalen  Auszeichnungen belegen.

Alle drei Größen von Mike the Pike. Die untersten beiden Größen lassen sich gerade noch so werfen und sind zum Spinnfischen geeignet. Zur damaligen Zeit habe ich die Bauchstinger noch mit normalen Gummis befestigt.

Mein Testgewässer ist ein etwas über 110ha großer Voralpensee im Süden von Deutschland. Der Hechtbestand ist gut, der Angeldruck ausgeprägt. Die Hechte kennen die Standardköder. In den letzten Jahren ließen die Fänge bei mir spürbar nach. Es verirrten sich nur noch kleine Exemplare an den Haken.  Auf Kopyto und Co ließ sich einfach nichts mehr abschleppen. Egal ob mit Sideplanern, Fluorocarbon Vorfächern etc. gefischt wurde, die Bisse wurden signifikant weniger. Der Einsatz von Castaic Swimbaits konnte die Fangstatistik zwar etwas nach oben korrigieren aber so richtig zufrieden war ich nicht mit der Ausbeute. Vor einem halben Jahrzehnt sah es noch deutlich besser aus. Da war das Maß der Dinge ein 15cm langer Kopyto in den Farben blau/weiß mit rotem Schwanzteller. Da ging dann die Post ab. Egal ob einfach am Bleikopf hinter dem Boot hergeführt oder am ASO Schleppsystem, die Bisse waren konstant und die Fischgröße durchaus respektabel.

Die beiden Größen von Westin´s Tommy the Trout. Auch hier wurde der Bauchstinger mittels Haushaltsgummi am hinteren Ende des Körpers fixiert.

Ricky the Roach ist etwas für flache Gewässer da er sehr oberflächennah läuft.

Seither hat sich allerdings nicht so viel getan, was den ausbleibenden Fangerfolg rechtfertigen würde. Weder nahm der Befischungsdruck signifikant zu, noch gab es andere gravierende Umwelteinflüsse. Zugegeben, der Kormoran hatte im Winter am Gewässer ein leichtes Spiel, allerdings wage ich es doch zu bezweifeln, dass das einen großen Einfluss auf den Hechtbestand hatte. Bei Forelle und Co würde ich da meine Hand nicht ins Feuer legen aber Hechte wachsen schnell und sind im Winter eher in den tiefen Regionen des Sees zu finden. Dort tut sich auch der Kormoran etwas schwerer.

Lange Rede kurzer Sinn: Seit Mitte 2017 habe ich die Westin Swimbaits im Einsatz, zuerst war es nur ein Percy the Perch und ein Mike the Pike in der Farbe Crazy Parrot (wie bereits anfangs erwähnt, waren diese Farben ein Schnäppchen). Vertrauen hatte ich in die Farbe nicht wirklich, aber ich wollte die Köder erstmal im Wasser sehen ob sie denn überhaupt etwas taugen. Sollte dem so sein, so zumindest war der Plan, würde ich die beidem Swimbaits mit Airbrush umcolorieren und ihnen ein natürliches Dekor verleihen. Nach vier Ausflügen auf das Wasser konnte ich mehrere Dinge feststellen:

Percy the Perch besitzt als einziger Westin Swimbait von Haus aus ein Stingersystem auf der Unterseite.

  1. Die Farbe Crazy Parrot fängt! Und das obwohl der See über ein sehr klares und sichtiges Wasser verfügt. Umcolorieren kann ich mir also sparen.
  2. Die Fische hämmern sich den Köder regelrecht hinter die Kiemen. Es ist teilwiese unglaublich wie aggressiv sich auch halbstarke Exemplare (50-70cm) sich die Köder reinballern. Ohne eine entsprechende Lösezange mit langem Hals wäre es teilweise nicht möglich gewesen den Drilling aus dem Rachen zu lösen ohne das Tier irreversibel zu verletzen. Gerade für untermaßige Exemplare wäre dies fatal.
  3. Gegenüber anderen Ködern schnitten die Westin Swimbaits ungleich besser ab. Erfahrungsgemäß ist dies bei neuen Ködern immer so. Nach einiger Zeit stellt sich jedoch auch hier ein gewisser Gewöhnungseffekt ein.

    Selbst auf den 28cm Lappen stürzen sich die Hechte wie man an den Bißspuren recht eindrucksvoll erkennen kann.

    Natürlich muss man sich überlegen ob es das wert ist, einen Köder in dieser Preiskategorie anzuschaffen. Ich für meinen Teil bereue es bisher nicht. Vielmehr sehe ich es als Chance meinen Keller wieder etwas leerer zu bekommen. Der eine oder andere mag mir wohl gerade nicht folgen können. Bei mir ist es in der Regel so, dass ich bevor ich mir neue Köder kaufe erstmal ein paar alte Köder verkaufe und mir dann von den Einnahmen neue Köder gönne. Das System hat sich schon seit Jahren bewährt und verhindert halbwegs zuverlässig, dass sich mein Keller übermäßig füllt. Ganz im Gegenteil, es wird sogar weniger. Im Optimalfall bleiben am Ende nur noch fängige Köder übrig…aber das ist wohl eher irgendwo auch Wunschdenken.

Westin´s Ricky the Roach. Hier kann man auf einen Zusatzdrilling verzichten.

Um noch ein paar Vorteile der Westin Köder zu nennen:

  • Natürlicher Lauf, selbst wenn man den Köder nicht so schnell führt.
  • Relativ robust, verglichen mit anderen Gummiködern auf dem Markt.
  • Durchdachtes Click System mit dem man den Gummikörper zuverlässig fixieren und ggf. tauschen kann.
  • Passable Farbvielfalt (wenngleich man sich hier vielleicht etwas mehr an den Farben und Varianten von Savage Gear orientieren sollte *schmunzel*)
  • Herstellung von Salamiködern möglich (Kombination diverser farblich unterschiedlicher Teile)
  • Haken und Sprengringe sind von wirklich guter Qualität, da kann man echt nicht meckern.

Zwei Mal Percy the Perch. Recht schön zu erkennen ist der untere „Salamiköder“, eine Mischung uns Natur- und Schockfarben.

Nicht unerwähnt sollen auch die Nachteile der Köder bleiben:

  • Zum einen, ganz klar der Preis. Für Gummiköder die früher oder später vom Hecht etc. zerfetzt werden, ist ein Preis jenseits der 10€ für mein Empfinden relativ hoch angesetzt. Allerdings, dass muss ich hier an dieser Stelle auch ganz klar sagen, kann man sich wenn man etwas handwerklich begabt ist und die technischen Mittel hat, auch recht einfach behelfen. Man kauft den Köder seines Vertrauens, fertigt einen 3D Scan an (mittlerweile gibt es schon Geschäfte die das für lau machen) und druckt sich anschließend mit einem 3D Drucker die Plastik Köpfe aus. Den Gummischwanz kann man ganz einfach mit einer selbstgemachten Silikon oder Gipsform und flüssigem Gummi herstellen. Etwas tüfteln muss man natürlich schon…
  • Die Farben sind nicht so ganz natürlich, hier könnte man noch etwas nachbessern.
  • Ab und an verfängt sich vor allem bei den großen Exemplaren in Kombination mit steifem Vorfachmaterial der Bauchdrilling im Vorfach.
  • Um die Köder richtig gut zum Wackeln zu bringen muss man zügig schleppen ( zwar langsamer als mit einer Castaic, aber immerhin schnell genug, dass es auf Dauer bei Gegenwind in den Armen schmerzt…ich weiß, das ist Jammern auf hohem Niveau)
  • Die großen Exemplare sollten, ähnlich wie bei den Castaics, noch zusätzlich mit einem Drilling in der zweiten Körperhälfte ausgestattet werden. Zwar ist es richtig, dass der Hecht vorwiegend im vorderen Drittel attackiert aber eben nicht immer. Bei dem Modell Percy hat Westin das Problem von Haus aus mit zwei Drillingen gelöst, also wieso nicht auch bei den anderen Modellen???
  • Das Gewicht der größeren Köder ist enorm. Spinnfischen kann man damit nicht mehr. Das sind reine Schleppköder.
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Pete

Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990
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