Wobbler bemalen für Fortgeschrittene

In den vergangenen Jahren habe ich bereits mehrfach über die Bemalung von Wobblerrohlingen beschrieben (zu sehen hier, hier und hier). Nachdem es immer mehr Zuspruch seitens der Netzgemeinde und einiger Angelkollegen von mir gab, habe ich mich dazu entschieden in naher Zukunft mal ein Video zu dem Thema zu machen. Bevor es soweit ist, möchte ich euch aber noch eine kleine Schritt für Schritt Anleitung zu dem Thema geben. Um es vorweg zu nehmen, man braucht nicht zwingend eine Airbrushausrüstung um Wobbler zu colorieren. Allerdings sind die Ergebnisse mit Airbrush meist deutlich ansehnlicher und homogener. Vor allem wenn man vorhat dieses „Hobby“ im größerem Umfang zu betrieben. Für 10 Wobbler im Jahr lohnt sich die Anschaffung also sicher nicht. In meinem Fall stellte sich die Frage jedoch nicht, da ich bereits durch ein früheres Hobby eine komplette Ausrüstung im Keller hatte. Folglich hielten sich die Kosten in Grenzen. Aber um euch eine möglichst vollständige Übersicht über das Thema im allgemeinen und den Kosten im speziellen zu geben, seien die Anschaffungskosten hier der Vollständigkeit halber erwähnt.

Kompressor 80€
Gun 20-100€
Schlauch 5€
Adapter etc. 10€
Farben Pro Farbe ca. 4€
Reinigungsutensilien 10€
Wobbler Pro Stück zwischen 0,8€ – 3,5€
Schutzlack Ca. 20€ für 1l
Malertape 2€
Sprengringe 3€ für 100Stck
Klebeaugen 300 Stück ca. 4€

Wie ihr seht, ist man auch hier ganz schnell eine ordentliche Stange Geld los. Das Ganze lohnt sich also wirklich nur für Enthusiasten oder Leute die die Köder letztendlich zu Geld machen wollen.

Abgeklebte Tauchschaufel

Der erste Schritt besteht darin, die Tauchschaufel abzukleben. Diese sollte nach Möglichkeit nicht eingefärbt werden. Das Abkleben funktioniert am besten mit Malertape. Einmal im Jahr gibt es diesbezüglich bei Aldi Süd ein Angebot. Da schlage ich dann immer zu. Wer nicht so lange warten will, kann sich das Tape auch im lokalen Baumarkt kaufen. Bei einem Betrag von unter 5€ ist das sicherlich nur ein kleiner Kostenpunkt auf der Liste der potentiellen Ausgaben.

Grundierter Wobbler mit abgeklebter Tauchschaufel.

Anschließend sollte der Wobblerrohling grundiert werden. Dies dient dazu, dass später die eigentliche Farbe besser hält. Bitte achtet bei Arbeiten mit Lacken und Lösungsmitteln auf eure PSA (Persönliche Schutzausrüstung). Die sich bildenden Aerosole sind der Gesundheit definitv nicht zuträglich. Benutzt also in eurem Interesse eine Atemschutzmaske und Nitrilhandschuhe. Ich benutze für meine sämtlichen Lackierungsarbeiten Acrylfarben. Da mit Airbrush aufgebrachte Farben recht schnell trocknen, kann man das Grundieren und die anschließende Weiterverarbeitung an einem Tag durchführen.  Zum Trocknen der der Rohlinge verwende ich einen alten Wäscheständer. Die Einhänger sind S-förmig gebogene Haken aus Draht.

Eine ganze Flottille an Wobblern im Regenbogenforellendesign. Dieses Design hat sich in den letzten Jahren als recht fängig herausgestellt.

Auf diesem Bild sieht man recht schön die Haken aus grünem Gartendraht welche mir als Trockenhalterung für die Wobbler dienen. Billig aber praxistauglich.

Hier sieht man einige Wobbler mit Bachforellendesign, sowie einige im Barschdekor. Beides auch sehr fängige Muster.

Einfach nur staunen was man mit einfachen Mitteln so alles machen kann. Sehen fast aus wie gekauft.

Hier sieht man recht schön, dass die Wobbler fertig lackiert sind. Jetzt fehlen nur noch die Augen, eine letzte Schicht Klarlack und – last but not least – der Bootslack.

Nun kommt der eigentliche Colorierungsvorgang. Man verpasst dem Rohling quasi sein späteres Aussehen. Ob man ihn nun einfarbig oder mehrfarbig, mit oder ohne Schuppenmuster färben möchte, hängt sehr stark vom persönlichen Geschmack ab. Persönlich finde ich kontrastreiche Muster ziemlich gut aber das ist jedem selbst überlassen.

Diese Flottille an Lauben (oder was auch immer) entstand indem mit einem Netz gearbeitet wurde. Die Grundfarbe war Schwarz. Darüber wurde dann Silber und etwas Blau gesprayt.

Um z.B. Fischschuppen zu lackieren, legt man ein Netz über den Wobbler und sprayt dann mit der Farbe seiner Wahl darüber. Wichtig ist hierbei, dass die bereits aufgetragene Farbe und die als nächstes aufzutragende Farbe nicht identisch sind und einen guten Kontrast zueinander bilden. Ist der Rohling z.B. gerade Dunkelgrau oder Schwarz eingefärbt, sollte man das Netz über ihn legen und anschließend mit silberner Farbe darüber sprayen. Entsprechende Netze bekommt man im Obstladen oder man besorgt sich z.B. Mückenschutznetze. Der Unterschied liegt in der Größe und Form des Netzes. Mückennetze z.B. geben ein sehr feines Schuppenmuster wohingegen Netze aus dem Obstladen eher etwas für größere Köder sind da diese Netze über entsprechend große Löcher verfügen. Gleiches gilt dann auch für die mit diesen Netzen angefertigten Schuppenmuster.

Hier sieht man sehr schön das Netz welches für das spätere Schuppenmuster bei einigen Wobblern verantwortlich ist.

Ein gutes Beispiel für einen Wobbler im Barschdekor. Die Streifen am Rücken wurden mit einer zurechtgeschnittenen Klarsichtfolie gesprayt. Freihand sind die Ergebnisse nicht so homogen.

Weitere Muster kann man z.B. mit Schablonen erreichen. Ich habe mir hierfür eine Dokumentenfolie genommen und diese entsprechend meiner Präferenzen perforiert. Damit kann man beispielsweise hervorragend Barschstreifen simulieren oder die Form einer deutlich ausgeprägten Seitenlinie wie das bei einer Regenbogenforelle oder ein Elritze der Fall ist. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Findigen unter euch können auch mit Leucht(Fluo)farben experimentieren.

Hier nochmal ein Close-Up einiger Wobbler. Schön zu sehen ist die Personalisierung in Form eines Schriftzugs an der Unterseite. Etwas Narzissmus muss halt dann doch sein.

Hat man nun seine Wunschfarbe fertig aufgebracht, kann man dem Wobbler noch seine persönliche Note verleihen. Im Fachhandel gibt es z.B. durchsichtige, bedruckbare Etiketten. Auf diese kann man dann via Laserdrucker eine Widmung, seinen Namen (nur was für Narzisten…) oder sonstige Obszönitäten schreiben. Im gleichen Arbeitsschritt müssen auch noch die Augen in die dafür vorgesehenen Aussparungen des Wobblers geklebt werden. Anschließend nochmal eine dünne Schicht Klarlack mittels Airbrush aufbringen.

Zum Schluss kommt wie immer der wichtigste Schritt. Das Aufbringen des Schutzlacks. Persönlich verwende ich mehrere Schichten an Bootslack da mir diese Epoxy Geschichten auf Dauer zu teuer sind. Der Bootslack muss unbedingt vorher noch etwas mit Lösungsmittel verdünnt werden da er sonst kein optimales Fließverhalten aufweist. Abschließend lassen wir den Bootslack ca. 24-48h trocknen bevor wir erneut eine Schicht aufbringen. In Summe verpasse ich meinen Wobblern 3-5 Schichten Bootslack – sicher ist sicher.

Nun kann der Wobbler mit Sprengringen und Haken versehen werden. Meist klebt in den Ösen noch etwas Bootslack aus dem letzten Schritt. Diesen solltet ihr vorsichtig entfernen. Zieht man zu rasch an, geht meist mehr Lack weg als euch lieb sein kann. Wohl dem der ein gutes Feingefühl hat.

Wundert euch nicht, der Bootslack gast noch eine Weile aus. Lagert eure Köder daher besser nicht in der Wohnung sondern eher im Keller oder der Garage. Da stören die Dämpfe nicht so arg. Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Überblick über die Materie geben und den einen oder anderen von euch anfixen.

Anbei noch einige Bilder der letzten Jahre.

Bachforellendekor kurz nach der Fertigstellung der Punkte. Jetzt müssen nur noch die Augen eingeklebt und der Schutzlack aufgebracht werden.

Für das Bachforellenmuster benötigt ihr folgende Farben: Weiß für den Bauch/Grundierung, Ocker für die Flanken, Braun für den oberen Bereich der Flanken und dunkles Grün für den Rücken. Für die Punkte an der Seite braucht ihr noch Weiß, Rot und Schwarz.

 

 

Autor dieses Artikels
Profilbild

Pete

Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990
Partner
www.angler-oase.de
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